Die Klimabilanz von Spargel - Berechnung und Analyse eines CO2-Fußabdrucks

Bericht verfasst von Herrn Maik Freitag - Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtlingen - Geislingen

 

Die Klimabilanz von Spargel - Berechnung und Analyse eines CO2-Fußabdrucks

In meiner Abschlussarbeit sollte untersucht werden, welche Treibhausgasemissionen die Produktion, Verarbeitung und Vermarktung von Spargel verursacht und welche Optimierungspotentiale zur Reduktion der Emissionen sich auf Basis dieses CO2-Fußabdrucks für die Spargelproduktion ergeben.
In Zusammenarbeit mit einem Spargelbetrieb wurde der Spargelanbau dort analysiert und anhand von betriebsspezifischen Zahlen auf Treibhausgasemissionen untersucht. Mit der Berechnung und Interpretation des CO2-Fußabdrucks sollte eine klimafreundliche Weiterentwicklung des Spargelanbaus auf dem Hofgut ermöglicht werden.
Mit Hilfe des Onlineprogramms „Cool Farm Tool“ wurde der CO2-Fußabdruck entlang des Produktlebensweges unter Berücksichtigung der Systemgrenzen des Hofgutes ermittelt. Der Lebensweg besteht aus der landwirtschaftlichen Produktion, dem vorgelagerten Bereich (z.B. Pflanzenschutz- und Düngemittelherstellung), der Verarbeitung (Reinigung, Sortierung, Verpackung) und der Vermarktung inklusive Transporte und Lagerung. Weiterführend wird diskutiert welchen Einfluss das Setzen der Systemgrenzen und das Verhalten der Verbraucher auf den CO2-Fußabdruck hat.
Durchschnittlich verursachte der Spargel 402,8 g CO2/kg, wobei die Nutzung der Polyethylen-Folie zur Abdeckung der Spargeldämme, Lachgasemissionen aus Boden und Düngung und der Energiebedarf für die Weiterverarbeitung die Hauptemissionsquellen darstellte.
Während die Bodenbearbeitung und Düngung ohne Ertragseinbußen nicht reduziert werden konnte, lag in der Polyethylen-Folie und dem Energiebedarf der Weiterverarbeitung erhebliches Optimierungspotential. So sollte aus Sicht des Klimaschutzes Strom aus ökologisch erneuerbaren Energiequellen bezogen werden und auf die Folie verzichtet werden. Problematisch ist jedoch, dass die daraus resultierende spätere Ernte und der geringere Ertrag zu große Wettbewerbsnachteile
für den Betrieb bedeuteten. Der ohnehin folienfreie Anbau von Grünspargel war zu diesem Zeitpunkt noch nicht flächendeckend möglich aufgrund zu geringer Nachfrage. Zwischen der Direktvermarktung über hofeigene Verkaufsstände und dem Verkauf über Supermärkte konnte zunächst kein Unterschied im Treibhausgasausstoß festgestellt werden, was sich jedoch bei genauerer Betrachtung abseits der Systemgrenzen relativierte.
Es zeigte sich, dass der Verbraucher einen sehr großen Einfluss hat. Je nach Einkaufsverhalten und Konsumgewohnheit veränderten sich die Emissionen des Spargels deutlich.
Das Hauptergebnis der Arbeit lag in der Erkenntnis, dass der CO2-Fußabdruck weniger durch die internen Betriebsabläufe beeinflusst wird (Dieselverbrauch, Ressourceneinsatz), als durch externe Einflussquellen (Folienherstellung und -entsorgung, Stromproduktion). Weiterhin liegt indirekt großes Optimierungspotential und damit Verantwortung in der Kommunikation mit den Verbrauchern. Eine Aufklärung über deren Einflussmöglichkeiten ist wichtig und wirksam.
Über das Hauptziel der Arbeit hinaus wurden auch noch weitere Umwelteinflüsse des Spargelanbaus kurz beleuchtet und ein Vergleich zu Importspargel gezogen, sowie die Grenzen des „Cool Farm Tools“ für die Berechnung von CO2-Fußabdrücken für Sonderkulturen und die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere (Spargel-) Betriebe kritisch diskutiert.